Wem nützt er? Wer unterstützt ihn verdeckt? Welche Strategien werden gespielt? Was muss der Bürger wissen – und tun?
1) Warum Extremismus heute so wirksam ist
Extremismus funktioniert wie ein Hebel: wenig Aufwand → große gesellschaftliche Wirkung. Besonders dann, wenn kritische Infrastruktur oder mediale Erregung getroffen werden. Der aktuelle Berliner Fall (Brandanschlag/Sabotage am Stromnetz; Bekennerschreiben, Ermittlungsübernahme durch Bundesanwaltschaft) zeigt genau diese Logik: maximale Störung, maximale Bühne. Tagesspiegel+2Reuters+2
Gleichzeitig steigen die Zahlen politisch motivierter Straftaten deutlich: Das BKA meldete für 2024 einen Höchststand politisch motivierter Kriminalität. bka.de+1
2) Wem nützt Extremismus? (Cui Bono – strukturell gedacht)
Extremismus nützt selten „dem Volk“. Er nützt vor allem Systemen und Akteuren, die aus Angst, Polarisierung und Dauerkrise profitieren.
A) Extremisten selbst
Gewinn: Aufmerksamkeit, Rekrutierung, Radikalisierung, „Bedeutung“.
Risiko: Repression, Haft, gesellschaftliche Ächtung.
B) Politische Akteure (Regierung und Opposition)
Gewinn:
- Agenda-Shift (weg von Sachfragen, hin zu Sicherheit/Ordnung)
- Mobilisierung (eigene Lager schließen die Reihen)
- Moralische Überlegenheit wird zur Waffe
Risiko: Vertrauensverlust, wenn „Symbolpolitik“ ohne Strukturreform bleibt.
C) Behörden/Institutionen
Gewinn: Budget, Befugnisse, Personal, neue Programme – oft gut gemeint, aber systemisch verstärkend.
D) Medienlogik & Plattformlogik
Gewinn: Reichweite, Klicks, Aufmerksamkeit.
Nebenwirkung: Extremisten bekommen gratis Bühne (ohne dass das jemand „will“).
E) Feindliche Auslandsakteure
Hier geht es nicht um „geheime Strippenzieher“, sondern um bekannte Muster hybrider Einflussnahme: Polarisierende Themen werden verstärkt, Vertrauen wird zersetzt, Gesellschaften werden gegeneinander aufgehetzt. Allianz Commercial+1
3) Wer unterstützt Extremismus „verdeckt“?
Wichtig: „Verdeckt unterstützen“ heißt oft nicht finanzieren, sondern ermöglichen, verstärken, instrumentalisieren.
1) Verstärker statt Auftraggeber
- Desinformation, „Wedge Issues“, Empörungskampagnen, algorithmische Verstärkung. disinformationindex.org+1
2) Opportunisten
- Gruppen/Influencer, die über Empörung Geld, Reichweite, Macht gewinnen (Spenden, Abos, Klicks, Karriere).
3) Nützliche Eskalation durch Überreaktion
- Wenn Politik nur „große Worte“ liefert, aber keine Reformen, entsteht Frust → Radikalisierungspotenzial (ein klassischer Kreislauf).
4) Grauzonen-Finanzierung (allgemein)
- Bei Extremismus weltweit sind Mischformen typisch: legale Spenden, Vereine, Kryptowährungen, Schattenlogistik. Für Deutschland ist das je nach Milieu unterschiedlich – das BfV beschreibt die Bedrohungslage weiterhin als hoch, besonders im islamistischen Bereich, und beobachtet Extremismus-Spektren insgesamt eng. Bundesamt für Verfassungsschutz+1
4) Welche Strategien werden gespielt? (Extremismus als Machtspiel)
Hier die wiederkehrenden Spielzüge, unabhängig vom Milieu (rechts/links/islamistisch/auslandsbezogen):
- Provokation & Eskalation
Kleine Tat, große Wirkung (idealerweise mit Bildern). - Narrativkrieg
„Wir“ vs „die“ – moralische Totalisierung, kein Kompromiss möglich. - Opfer- und Märtyrerlogik
Jede Reaktion des Staates wird als „Beweis“ genutzt. - Normalisierung von Grenzüberschreitungen
Erst Sprache, dann Sachbeschädigung, dann Gewalt. - Angriff auf Infrastruktur
Hohe Wirkung, niedrige Schwelle – Berlin ist das aktuelle Lehrstück. Reuters+2Reuters+2 - Polarisierungs-Spirale
Jede Seite nutzt die Gewalt der anderen Seite zur eigenen Mobilisierung.
5) Was muss der Bürger wissen?
A) Extremismus lebt von drei Ressourcen:
- Aufmerksamkeit
- Angst
- Zerfall von Vertrauen
B) Der wichtigste Denkfehler:
„Das sind nur Ränder.“
In Wahrheit wirken Ränder wie ein Hebel auf die Mitte, wenn Medien, Politik und Plattformen die Erregung weitertragen.
C) Der wichtigste Realitätscheck:
Nicht die Pressekonferenz zählt – sondern was 4–12 Wochen später strukturell anders ist (Infrastruktur-Schutz, Zuständigkeiten, Standards, Budgets).
6) Was muss der Bürger tun? (10 klare, zivile Gegenmoves)
- Bühne entziehen: nicht teilen, nicht eskalieren, nicht weiterreichen.
- Faktenhygiene: Erst Quelle, dann Meinung (Datum, Belege, Primärquelle).
- Keine Totalisierung: Kritik ja, Entmenschlichung nein.
- Lokale Resilienz stärken: Nachbarschaft, Hilfe, Notfallkompetenz (Blackout-Logik).
- Politik messen, nicht glauben: Fordere konkrete Maßnahmen & Kennzahlen (nicht Slogans).
- Transparenz fordern: Was wurde verbessert? Was kostet es? Wer ist verantwortlich?
- Extremismus symmetrisch ablehnen: keine Ausreden „für die eigene Seite“.
- Zivilcouragiert, aber sicher: melden statt spielen (Gefahr/Beobachtungen an zuständige Stellen).
- Gemeinschaft bauen: Polarisierung schrumpft, wenn Menschen real kooperieren.
- Langfristig wählen & wirken: Politik belohnt Aufregung – Bürger müssen Lernkurve belohnen.
Power-Fazit
Extremismus ist eine Geisel, weil er unsere Aufmerksamkeit kapert.
Er gewinnt, wenn Bürger zu Zuschauern werden.
Er verliert, wenn Bürger nüchtern bleiben, Strukturen einfordern und Resilienz leben.
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